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Großstädte in Deutschland - Münster

Münster ist eine kreisfreie Stadt im Regierungsbezirk Münster in Nordrhein-Westfalen. Die Stadt liegt etwa in der Mitte zwischen Dortmund und Osnabrück im Zentrum des Münsterlandes. Sie fungiert als Oberzentrum Westfalens und des Münsterlandes. Derzeit leben in der Großstadt an der Münsterschen Aa 269.579 Einwohner.

Sie ist Sitz mehrerer Hochschulen, die Westfälischen Wilhelms-Universität, eine der größten Universitäten Deutschlands ist der größte Arbeitgeber der Stadt. Weiterhin befinden sich hier viele Verwaltungsinstitutionen für die Region und NRW. Außerdem ist die Stadt Zentrum des katholischen Bistums Münster.

Geographie

Münster grenzt (im Uhrzeigersinn, beginnend im Nordwesten) an Altenberge und Greven (Kreis Steinfurt), an Telgte, Everswinkel, Sendenhorst und Drensteinfurt (Kreis Warendorf), sowie an Ascheberg, Senden und Havixbeck (Kreis Coesfeld).

Münster gehört mit seiner im Vergleich zur Einwohnerzahl sehr großen Fläche zu den flächengrößten Städten Deutschlands. Darin sind jedoch größere unbebaute ländliche Gebiete der 1975 eingemeindeten Orte enthalten. Außerdem ist auch das zusammenhängend bebaute Stadtgebiet flächenmäßig vergleichsweise groß, da die Bebauung aufgrund des hohen Anteils von Einfamilienhäusern und Villen sowie der bei völligem Fehlen von Mietskasernen größtenteils nur zwei- bis dreistöckigen Mietshäuser niedriger ist als in anderen der Einwohnerzahl nach vergleichbaren Städten.

Die Stadt liegt unweit der deutsch-niederländischen Grenze an der Enschede.

Zwar heißt es im Münster oft "entweder es regnet oder es läuten die Glocken!", tatsächlich aber entspricht die Niederschlagsmenge der Stadt etwa dem Durchschnitt in Deutschland. Der Eindruck einer besonders hohen Niederschlagsmenge wird insofern nicht durch die absolute Niederschlagsmenge, sondern vielmehr durch die überdurchschnittliche Niederschlagshäufigkeit mit allerdings meistens geringerer Niederschlagsmenge hervorgerufen.

Geschichte

Die älteste Siedlung an der jetzigen Stelle Münsters war die sächsische Siedlung "Mimigernaford". Dieser Name deutet auf eine Furt über die Aa hin. Diese Siedlung bestand wahrscheinlich seit dem 6. Jahrhundert v. u. Z. und wurde unter Karl dem Großen zerstört.

Das Jahr 793 gilt als offizielles Gründungsjahr Münsters: Im Auftrag Karls dem Großen gründet der Friese Liudger auf dem Horsteberg ein Kloster (monasterium). Ein Bischofssitz mit Konvent der Geistlichkeit entstand. Um die Domburg entwickelte sich aus einer Marktsiedlung die Stadt Münster. Im Jahr 805 wurde Liudger zum Bischof geweiht und die Siedlung erhielt den Stand einer civitas (Stadt).

Bald nach 1168 erhielt Münster Stadtrecht und wurde von Bischof Hermann II. befestigt.

Nach dem Bau von sechs Pfarrkirchen und einer Stadtmauer dehnte sich die Stadt im 12. Jahrhundert bis zur heutigen Promenade aus. 1170 entstand die Ludgerikirche im romanischen Stil (1330 im gotischen Stil umgebaut). Im gleichen Jahrhundert entstand die St. Mauritzkirche (1859 restauriert) mit drei romanischen Türmen.

Zu Ende des 13. Jahrhunderts wurde Münster Mitglied der Hanse.

Um 1340 entstand die Liebfrauenkirche, im gleichen Jahrhundert wurden das gotische Rathaus und die Lambertikirche erbaut.

Münster erlangte ab 1494 als Vorort der Westfälischen Hanse eine große Bedeutung.

Im Hochmittelalter gehörte das Bistum Münster zu den größeren Territorien des Reiches. Es teilte sich in das Oberstift, das etwa dem heutigen Münsterland entsprach, und das Niederstift, das dem heutigen Oldenburger Münsterland sowie dem heutigen Landkreis Emsland entsprach. Dabei war das Gebiet des weltlichen Bistums bis 1666 größer als das des geistlichen, da das Niederstift kirchlich zum Bistum Osnabrück gehörte.

Die Bürgerschaft der Stadt Münster versuchte in mehreren Anläufen, sich von der bischöflichen Oberhoheit zu emanzipieren und reichsstädtischen Status zu erlangen. Anfang der 1530er Jahre ging der Rat zum lutherischen Bekenntnis über.

1535 folgte die dramatische Episode der Wiedertäuferherrschaft. Aus den Niederlanden waren Gruppen zugewandert, die die Erwachsenentaufe propagierten und die Errichtung des "Neuen Jerusalem" der Endzeit anstrebten. Nachdem sie die Macht übernommen hatten, begannen Truppen des Bischofs die Stadt zu belagern und auszuhungern. Trotz der starken Stadtbefestigung (Münster galt als uneinnehmbar) wurde die ausgehungerte und in chaotische Zustände geratene Stadt schließlich unter massiver Gegenwehr am 24. Juni 1535 eingenommen. Die Führer der Wiedertäufer wurden gefoltert und hingerichtet. Um ein Zeichen zu setzen, wurden ihre Leichen 1536 in drei Käfigen an der Lambertikirche aufgehängt. Nachbildungen der Originalkäfige sind dort heute noch zu sehen. Der evangelische Gottesdienst wurde unterdrückt.

Münster spielte eine wichtige Rolle im 30jährigen Krieg, in dem es besonders durch protestantische Heere litt. Hier wurde der Westfälische Friede unterschrieben, der in Münster und Osnabrück ausgehandelt wurde und die längste Kriegsperiode in Europa beendete. In Osnabrück tagten die Gesandten der evangelischen Kriegsparteien, während in Münster die katholischen Gesandten untergebracht waren. Das heutige Rathaus beherbergt den damaligen Friedenssaal, in dem eigens eine Tür verbreitert wurde, damit beide Kriegsparteien gleichzeitig den Raum betreten konnten. Am 24. Oktober 1648 wurde hier der Westfälische Friede abgeschlossen.

Bischof Bernhard von Galen nahm die Stadt 1661 gewaltsam, erbaute eine Zitadelle und entriss den Bürgern die meisten ihrer Privilegien.

Im Siebenjährigen Krieg wurde Münster von Frankreich und den Verbündeten belagert und erobert.

Das Schloss entstand 1767 und diente als bischöfliche Residenz. Die ehemaligen Befestigungen der Stadt wurden 1770 in Promenaden umgewandelt. 1773 wurde in fürstbischöflicher Verantwortung eine Landesuniversität geschaffen, aus der sich die Westfälische Wilhelms-Universität entwickelte.

Nach den napoleonischen Kriegen wurde Münster Hauptstadt der neu geschaffenen preußischen Provinz Westfalen, nachdem es einige Jahre zum Kaiserreich Frankreich gehört hatte.

1857-1858 wurde die gotische Ignaziuskirche erbaut. Die Einwohnerzahl im Jahr 1885 betrug 44.060, darunter 36.751 Katholiken, 6784 Evangelische und 513 Juden.

Zwar wurde die Altstadt Münsters im Zweiten Weltkrieg zu 90 % zerstört. Bemerkenswert ist jedoch, dass die meisten der berühmten Giebelhäuser des Prinzipalmarkts, wenn auch teilweise vereinfacht, wieder aufgebaut wurden. Das historische Gesamtbild der Stadt blieb so erkennbar.

Weltbilder

Christentum Etwa zwei Drittel der Einwohnerinnen und Einwohner gehören der römisch-katholischen Kirche an. Für dieses Bekenntnis ist Münster traditionell ein bedeutendes geistliches Zentrum, was auch im Stadtbild an der im Verhältnis zur Größe der Stadt auffällig großen Anzahl katholischer Kirchen erkennbar ist. Die Reformation konnte sich hier, anders als im größten Teil des übrigen nördlichen Deutschlands, nicht durchsetzen. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich jedoch der Anteil von Gläubigen der evangelischen Kirchen durch Zuzug der häufig evangelischen Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten sowie der mehrheitlich evangelischen Spätaussiedler erhöht. Des Weiteren bestehen noch kleinere Gemeinden verschiedener weiterer christlicher Konfessionen, wie z.B. der altkatholischen Kirche. Judentum: Der seit dem Zweiten Weltkrieg nur geringe Anteil jüdischer Gläubiger hat sich in den letzten Jahren durch Zuzug von jüdischen Flüchtlingen aus der ehemaligen Sowjetunion infolge des dortigen Antisemitismus erhöht. Die in der Reichspogromnacht 1938 zerstörte Synagoge wurde durch einen Neubau ersetzt. Islam: Die mehrheitlich muslimischen Einwanderer gehören mehreren kleineren Gemeinden verschiedener, meist sunnitischer Richtungen an. Da der Ausländeranteil in Münster, anders als in Ballungsgebieten, nur etwa dem deutschen Durchschnitt entspricht, ist der Islam im Stadtbild Münsters kaum präsent: so gibt es dort auch keine große Moschee. Andere Religionen und Konfessionslose: Der Anteil Gläubiger anderer Religionen ist in Münster gering. Infolge Austritten aus den christlichen Kirchen wächst der früher wegen der katholischen Tradition der Stadt sehr niedrige Anteil konfessionsloser Einwohnerinnen und Einwohner.

Wirtschaft

Münster ist keine Industriestadt, sondern eine Verwaltungs-, Universitäts- und Kaufmannsstadt sowie Dienstleistungsstandort und Zentrum des ländlichen Umlandes, das neben dem Münsterland auch Teile des westlichen Niedersachsens umfasst.

Die Industrie ist hier nur durch kleinere Fabriken vertreten, zudem wurden in den letzten Jahren mehrere Fabriken geschlossen. Die Landwirtschaft hat, außer im Umland, auch in Münster selbst besonders in den eingemeindeten Orten noch eine erhebliche Bedeutung.

Ansässige Unternehmen

  • BASF-Coatings (größter Industriebetrieb im heutigen Münster, früher Glasurit: Lackfabrik, im 1975 eingemeindeten Ort Hiltrup)
  • Westfalen AG (früher Sauerstoffwerke Westfalen; 2 kleine Werke im Hafengebiet und im Vorort Gremmendorf): Herstellung von Industriegasen, Betrieb von Tankstellen, Vertrieb von Flüssiggas
  • Armacell (früher Armstrong): Herstellung von Dämmstoffen
  • Pebüso-Betonwerk
  • Hengst-Filterwerke
  • Maschinenfabrik Emil Jäger: Drahtwebstühle
  • Winkhaus-Sicherungssysteme: Herstellung von Schlössern, Beschlägen etc. (Hauptsitz in Telgte)
  • Kiffe-Waggonbau: privates Reparatur- und Reinigungswerk für Waggons)
  • Tepper-Aufzüge, schließungsbedroht
  • LVM - Landwirtschaftlicher Versicherungsverein aG
  • GAD eG (Gesellschaft für Automatische Datenverarbeitung): Rechenzentrum der Volks- und Raiffeisenbanken im norddeutschen Raum

Kultur

Atmosphäre

Neben vielen historischen Gebäuden wird die Kultur der Stadt nicht zuletzt durch seine zahlreichen Studierenden (rund 50.000) geprägt, die eine lässige Atmosphäre entstehen lassen. Es gibt - in Relation zur Größe der Stadt - zahlreiche Kafés, Kneipen und Klubs. Auffällig sind auch die unzähligen Fahrräder, die sich nicht nur auf der innerstädtischen Promenade tummeln. Die ehemaligen Industriegebiete Am Hawerkamp und Hafen im Hansaviertel wurden umgenutzt und bieten neben Galerien und Gastronomie viel alternatives Leben. Münster hat sich gemeinsam mit Osnabrück erfolglos als Europäische Kulturhauptstadt im Jahr 2010 beworben.

Architektur

  • "Historische" Architektur
    • Prinzipalmarkt: historische Kaufmannstraße Münsters, nach der zerstörung im Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaut.
    • Historisches Rathaus, nach dem Zweiten Weltkrieg orginalgetreu rekonstruiert
    • Roggenmarkt
    • Krameramtshaus
    • Fürstbischöfliches Schloss
    • Erbdrostenhof 1755 Architekt Johann Conrad Schlaun
    • Haus Rüschhaus 1753-1757 Architekt Johann Conrad Schlaun
    • Stadthaus in Münster 1767-1773 Architekt Johann Conrad Schlaun
  • Kirchen:
    • Münsteraner Dom
    • Lambertikirche
    • Clemenskirche 1745-1748 Architekt Johann Conrad Schlaun
    • Hl.Kreuz-Kirche_(Münster), 1899 - 1907
  • "Moderne Architektur" (Nachkriegsarchitektur):
    • Stadttheater
    • Kiffe-Pavillion (heute Karstadt-Sport)
    • Uni-Klinken
    • Pavillion am Aa-See
    • Stadtbücherei, Architekten Bolles-Wilson
    • LVA - Gebäude Weseler Straße
    • Fahrradstation am Bahnhof
    • Stadtwerke am Hafen
    • Sparkasse an der Weseler Straße, Architekt Prof. Dipl.-Ing. Dieter Georg Baumewerd
  • Sonstiges:
  • 7Grad.org - Luftschutzbauten in Münster

Museen

  • Geschichte:
    • Archäologische Museum der Universität mit einer Sammlung griechischer und römischer Antiken.
    • Freilichtmuseum Mühlenhof
    • Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte
    • Stadtmuseum
  • Kunst:
    • Graphikmuseum Pablo Picasso
    • Museum für Lackkunst
    • Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte
  • Weitere:
    • Baumberger Sandstein - Museum im Ortsteil Havixbeck - Link
    • Bibelmuseum der WWU - Geschichte der Bibel an Originalen von den Anfängen bis heute
    • Botanischer Garten der WWU
    • Geologisches Museum mit einem Mammutskelett
    • Hippomaxx Westfälisches Pferdemuseum Münster im Allwetterzoo
    • Mineralogisches Museum der Universität Münster - Kristalle und Gesteine
    • Westfälisches Museum für Naturkunde mit Planetarium
    • Westpreußisches Landesmuseum

Theater

  • Städtischen Bühnen mit großem und kleinem Haus
  • Boulevard Münster
  • Roland-Frosch-Variete
  • Wolfgang-Borchert-Theater
  • kleiner Bühnenboden

Kunstereignisse

Seit 1977 findet im zehnjährigen Rhythmus eine Skulptur-Ausstellung statt. Internationale Künstler präsentieren im gesamten Stadtgebiet über einen Zeitraum von mehreren Monaten ihre Skulpturen. Viele dieser Skulpturen sind nun im Besitz der Stadt, so dass heute (Stand 2004) über 60 von ihnen das Stadtbild prägen. Am bekanntesten sind wohl die Giant Pool Balls von Claes Oldenburg am Aasee.

Veranstaltungen

Zweimal wöchentlich (mittwochs und samstags) findet vor dem Dom ein großer Markt statt, auf dem Blumen, Lebensmitte, tote und lebende Tiere, Wollwaren und vieles mehr gehandelt wird. Der Markt spielte seit jeher eine zentrale Rolle im Leben der Stadt, wie die Kiepenkerl-Statue beweist: Ein Marktbeschicker mit Kiepe auf dem Rücken.

Der Jahrmarkt Send (von: Synode) ist einer der größten in Nordrhein-Westfalen. Neben Karussels findet sich dort auch ein Markt für Töpfe und Haushaltsgegenstände.

Persönlichkeiten

Bekannte Münsteraner

  • Annette von Droste-Hülshoff (Schriftstellerin)
  • Clemens August Graf von Galen (Kardinal)
  • Clemens Schürmann (Radsportler und Architekt)
  • Dr. Rainer Klimke († Sportler)
  • Euthymia (Clemensschwester)
  • Felix Maria Harpenau (Polizist und Original)
  • Götz Alsmann (Musiker und Moderator)
  • Günther Jauch (Moderator)
  • Harald Deilmann Architekt
  • Heinrich Brüning († Politiker)
  • Hermann Landois (Gründer des Zoologischen Gartens)
  • Johann Conrad Schlaun (Baumeister und General)
  • Johann Wilhelm Hittorf (Physiker)
  • Ute Lemper (Sängerin und Schauspielerin)
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